Ich war im März 2026 in Tokio beim Global Leadership Camp für sehbehinderte Menschen aus aller Welt.
Wenn ich davon erzähle, kommt oft relativ schnell die Frage, „Also wurdest du dort zur Führungskraft ausgebildet?“
Und genau da merke ich: Ich muss zuerst erklären, was ich dort eigentlich gelernt habe, denn Leadership bedeutet für mich nach dieser Woche ganz sicher nicht, vor anderen zu stehen.
Wir waren sieben Teilnehmer:innen aus vier verschiedenen Kontinenten, mit unterschiedlichen Geschichten, Lebensrealitäten und Herausforderungen.
Was uns verbunden hat, war nicht, dass wir alle „führen“ wollen, sondern dass wir etwas bewegen wollen. Und das verändert alles.
In Workshops, Diskussionen und Projektarbeiten ging es viel um Ideen, Konzepte und Strategien. Ich habe an meinem Projekt gearbeitet – junge sehbehinderte Menschen durch Sport zu stärken und ihnen Wege in Richtung Selbstvertrauen und Verantwortung zu eröffnen.
Aber die eigentliche Erkenntnis kam nicht aus den Präsentationen, sie kam aus den Momenten dazwischen.
Zum Beispiel dann, wenn wir einander zuhören mussten, obwohl wir unterschiedlich denken. Oder wenn wir gemerkt haben, dass unser eigenes „Problem“ nicht das einzige auf dieser Welt ist. Oder wenn jemand anderes Worte findet, die genau das ausdrücken, was man selbst noch nicht greifen kann.
Leadership ist für mich seitdem kein Konzept mehr, es ist ein Bewusstsein. Ein Bewusstsein darüber, wie ich handle, wie ich auf andere wirke, und welche Verantwortung ich – bewusst oder unbewusst – übernehme.
Ich habe in Tokio nicht gelernt, wie man führt. Ich habe verstanden, dass wir es alle längst tun. Im Sport, im Team, im Alltag. Die Frage ist nur, ob wir es merken. Und vielleicht ist genau das der Anfang von ssallem.
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